Oberstdorf Therme

Umfangreiche Sanierungsarbeiten und Personalprobleme führen zur Schließung

Seit mittlerweile 46 Jahren steht die Oberstdorf Therme mitten im Ortszentrum und ist eine beliebte Attraktion bei Gästen und Einheimischen.
Die Oberstdorf Therme zeigt nun die entsprechenden Alterserscheinungen. Beispielsweise ist der monatliche Wasserverlust immens und aus diesem Grund musste das Thermalsolebecken im Saunabereich vorzeitig geschlossen werden. Auch das Dach der Infrarotsauna ist morsch und müsste instandgesetzt werden. Viele Einrichtungen und Angebote – insbesondere im Saunadorf und im Technikbereich- können nur noch durch einen enormen finanziellen Aufwand in Betrieb gehalten werden. Ersatzteile sind in weiten Bereichen nicht mehr lieferbar.
Diese Problematik hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr verschärft und hat die Geschäftsleitung zu dem Entschluss geführt, die Oberstdorf Therme zum 15.08.2018 zu schließen.
Als wesentliche Gründe führte Herr Graf als verantwortlicher Geschäftsführer unter anderem die mittlerweile veraltete Technik, bauliche und statische Probleme, ein veraltetes Rohrsystem und daraus resultierende hygienische Defizite an. Vor allem aber die Tatsache kein qualifiziertes Fachpersonal zu finden, um einen für sie sicheren, hygienischen und kontinuierlichen Badebetrieb anbieten zu können, untermauerten diese Entscheidung.
Gleichzeitig trägt die Geschäftsführung der Oberstdorf Tourismus GmbH als Betreiber der Therme auch eine soziale Verantwortung für die Mitarbeiter der Therme. Deren Arbeitsbedingungen sind in Einklang mit dem Arbeitszeitschutzgesetz, dem Gesundheitsschutz, der Arbeitssicherheit und vielen anderen Komponenten zu bringen. Bemühungen, in den umliegenden Bädern wie z. B. Sonthofen, Fischen, Oberstaufen, Thalkirchdorf etc. Fachpersonal entleihen zu können, sind gescheitert. Auch der Versuch über Zeitarbeitsfirmen an entsprechendes Personal zu kommen war und ist derzeit nicht erfolgreich. Das Mammut-Projekt wie der kurz vor Eröffnung stehende Center Park bei Leutkirch befeuerte diese Problematik zusätzlich und lockte viele Fachkräfte auch aus dem südlichen Oberallgäu mit einem attraktiven, zukunftsträchtigen Arbeitsplatzangebot.

Der Marktgemeinderat wurde über die Gründe in der Sitzung vom 12.06.2018 mündlich informiert. Ergebnis des Sachvortrages von Herrn Graf war ein Auftrag an ihn zur tiefergehenden Überprüfung der dargestellten Sachverhalte. Krankheitsbedingt kommt die Verwaltung diesem Auftrag des Marktgemeinderates aktuell nach. Natürlich wird die anstehende Schließung der Therme sowohl bei den Einheimischen als auch den Gästen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Gleichzeitig müssen wir uns als einer der führenden Tourismusorte die Frage stellen, ob ein Weiterbetrieb der Oberstdorf Therme ohne ein Solebecken, ohne eine funktionierende Wellenanlage, ohne Mutter-Kindbereich und auch ohne Gastronomie bei den Besuchern einen negativen Eindruck hinterlässt und zunehmend zu Beschwerden führen wird. Auch wenn der Gast diese Einschränkungen möglicherweise hinnehmen wird, werden wir in der Wahrnehmung als qualitativ hochwertiger Tourismusort womöglich Schaden nehmen. Zudem lässt auch das Personalthema zum derzeitigen Zeitpunkt keine andere Entscheidung zu.

Umso wichtiger ist es für uns aus touristischer Sicht möglichst zügig an der Planung für den Neubau einer attraktiven, zeitgemäßen und für Oberstdorf einzigartigen Therme weiterarbeiten zu können. Nach der derzeitigen Planung soll der Architektenwettbewerb im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Parallel hierzu ist das Bauamt mit der Durchführung der Bauleitplanung beauftragt. Im Anschluss an den Architektenwettbewerb findet eine Kostenberechnung des, von einem Preisgericht ausgewählten, Entwurfes unter Einbindung entsprechender Fachplaner statt. Auf Basis dieser Kostenberechnung wird ein Antrag auf Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen – kurz RÖFE – bei der Regierung von Schwaben gestellt. Erste Gespräche hierzu fanden bereits statt. Gleichzeitig arbeitet der Betreiber an entsprechenden Finanzierungsmodellen, die eine solide Finanzierung dieses Projektes sicherstellen müssen.
Der Abbruch der bestehenden Therme ist nach derzeitigem Projektplan ab dem Frühjahr 2019 vorgesehen. Zwingende Voraussetzung dafür sind nebst der Räumung und Verwertung der vorhandenen Betriebs- und Geschäftsausstattung auch eine im Vorfeld durchgeführte Schadstoffbeurteilung am Bauwerk. Diese von sachverständigen Gutachtern durchgeführte Beurteilung ist notwendig, um dem zu beauftragenden Abbruchunternehmer gezielte Hinweise auf mögliche Schadstoffe (z. B. Asbest, PCB-haltige Dichtungen, Lacke etc.) geben zu können und so unnötige und kostenintensive Verzögerungen und eine optimale Trennung und Entsorgung der verbauten Stoffe sicherzustellen. Bereits für eine Schadstofferkundung, die sinnvolle Ergebnisse bringen soll, ist eine vorausgehende Schließung Empfehlung der Gutachter. Auf Basis der Ergebnisse erfolgt im Anschluss die Ausschreibung und Vergabe der Abbrucharbeiten.

Nach den jetzigen Planungen rechnen wir damit, Anfang 2020 mit dem Bau der neuen Therme beginnen zu können. Nach einer etwa 2-jährigen reinen Bauzeit ist die Fertigstellung für Herbst 2021 geplant. Über Badeangebote für unsere Gäste und Einheimischen während der Bauphase werden wir Sie zu gegebener Zeit informieren.

Ihre nicht eingelösten Gutscheine oder Dauerkarten mit einer längeren Laufzeit werden Ihnen selbstverständlich anteilig erstattet.