Der Rückbau der Oberstdorf Therme steht bevor

Die Rückbauleistungen der alten Oberstdorf Therme wurden im Dezember öffentlich und national ausgeschrieben und sollen im März vom Marktgemeinderat vergeben werden.

Die Ausschreibung beinhaltet den verwertungsorientierten, selektiven Rückbau der Oberstdorf Therme, inkl. Schadstoffentkernung, mechanischem Abbruch der mineralischen Bausubstanz und fachgerechter Entsorgung.

Wie im Herbst 2018 bereits angekündigt, ist der Rückbau der Therme ab Frühjahr 2019 notwendig. Derzeit verursacht das Bestandsgebäude noch erheblichen Aufwand wie etwa Verbrauchskosten und Kosten, die durch Unterhalt und Verkehrssicherungspflicht verursacht werden.
Einsturzgefährdende Bereiche wie etwa der Mutter-Kind-Bereich mussten mehrmals von der Dachlast befreit werden und die Tragkonstruktion einschließlich der Sockel musste provisorisch verstärkt werden. Bedingt durch die vollständige Austrocknung (niedrigere Luftfeuchtigkeit durch fehlende Wasserflächen) beginnen auch die Leimbinder des großen Thermendachs zu reißen. Das Foliendach muss durchgehend belüftet und die Thermenhalle beheizt werden. Weiterhin verursachen vollständig korrodierte Wasserleitungen regelmäßige Schäden und erhöhten Wasserverbrauch. Kompressoren und Aggregate werden bis zur geplanten Veräußerung weiterhin betrieben, um Standschäden zu vermeiden.
Für diese Maßnahmen ist auch ein entsprechender Personalbedarf vorhanden, der durch das Fachpersonal der Therme abgedeckt wird. Einer vollständigen Verkehrssicherungspflicht der Anlage kann nur mit erheblichem Aufwand nachgekommen werden.

Nach der Beauftragung der Rückbaufirma mit Spezialkompetenz im Bereich der Schadstoffsanierung (Marktgemeinderatssitzung 14.03.2019) soll demzufolge zeitnah mit der Entkernung des Gebäudes begonnen werden. Ein großer Bestandteil an Schadstoffen, die die recyclebare Bausubstanz wie Beton und Ziegel verunreinigen, müssen zuerst abgetrennt werden. Hier ist das Ziel, möglichst viel Bausubstanz durch erfolgreiches Abtrennen der Schadstoffe zu recyceln und damit einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu leisten.

Für die Schadstoffentkernung gibt es zum Teil gesetzlich sehr hohe Auflagen für Arbeits- und Umweltschutz, die einen erheblichen Mehraufwand darstellen. Auf Grund der Mengen an Schadstoffen bedeutet diese Maßnahme daher den größten zeitlichen Aufwand und wird in etwa drei Monate in Anspruch nehmen. Für die Anwohner und Gäste ist in dieser Zeit mit keiner Lärm- oder Schmutzbelastung zu rechnen. Auch Baustellenverkehr findet nur punktuell statt.

Beim Rückbau der Therme kommt es zu keinen permanenten Emissionsbelastungen zwischen Beginn und Ende der Maßnahme. Der tatsächlich maschinelle Abriss kommt zuletzt und wird sich zeitlich in Grenzen halten. Einschränkungen in der Durchführung der Rückbaumaßnahme wie etwa einer sinnvollen Verkehrsführung, Luftreinhaltung und Lärmschutz unterstreichen zusätzlich die Vorgaben für einen verträglichen Rückbau. In der touristischen Hauptsaison von 15.07. bis 15.10.2019 gilt eine Sperrfrist für besonders lärmintensive Maßnahmen.

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Das Jahr 2019 bringt für Oberstdorf zahlreiche große Projekte, Aufgaben und Herausforderungen mit sich. Das gilt auch für die Oberstdorf Therme. Seit der Schließung im August 2018 wird viel gearbeitet und viel geleistet.

Hinter den geschlossenen Türen laufen die Vorbereitungen für den Rückbau auf Hochtouren, im Frühjahr soll mit den Arbeiten begonnen werden.
Auf reges Interesse stößt derzeit der Architektenwettbewerb. Neben den sechs bereits gesetzten Architekten sind Ende Januar unter notarieller Aufsicht 14 weitere Architekten gelost worden, die am Wettbewerb teilnehmen dürfen. Insgesamt sind rund 40 Bewerbungen eingegangen (Stand Mitte Januar 2019). Den Teilnehmern stehen nun intensive Monate der kreativen Planung bevor, ehe man Ende Juli gespannt die Resultate sichten kann. Dann nämlich sollen die Entwürfe der Architekten präsentiert und prämiert werden. „Wir freuen uns bereits darauf, welche architektonischen Lösungen wir auf unser komplexes Bauvorhaben erwarten dürfen und wie die Architekten dies visuell umsetzten“, so Bürgermeister Laurent O. Mies. Nach dem anschließend notwendigen Vergabeverfahren wird im September der finale Architekt der neuen Therme feststehen. Mit der zweiten Leistungsphase der Architekten, der Vorplanung, kann dann begonnen werden.
Parallel dazu erfolgt der Rückbau der Oberstdorf Therme. Bei einem solch komplexen Gebäude aus dem Jahr 1971 und der darin verbauten umfangreichen Anlagentechnik sind die Vorgaben für den Abbruch sehr hoch. Auch beim Rückbau von schadstoffhaltigen Gebäudeteilen, die etwa Asbest oder chromhaltigen Beton beinhalten, ist ein höherer Aufwand zu erwarten. Daher spricht man auch nicht mehr von Abrissarbeiten, sondern von einem verwertungsorientierten, selektiven Rückbau inkl. Schadstoffentkernung, mechanischem Abbruch der mineralischen Bausubstanz und fachgerechter Entsorgung. Die Zielsetzung solcher Maßnahmen ist möglichst sortenrein zu trennen, zu recyceln und ggf. Materialien wiederzuverwenden. Dafür liegt den Kurbetrieben ein umfangreiches Gutachten zur Bausubstanz der Therme vor. Die Rückbaumaßnahmen sind derzeit öffentlich ausgeschrieben und sollen im Februar vergeben werden.
Weiter sollen Anfang des Jahres die Leistungen eines Projektsteuerers ausgeschrieben und vergeben werden. Auftrag des Projektsteuerers ist es, den Bauherren in den umfassenden Aufgaben und Prozessen bis zum Abschluss des Projektes zu begleiten. Auch das Förderwesen und die europaweiten Ausschreibungen für die Fachplaner (Elektrotechnik, Heizung-, Lüftung und Sanitär sowie Statik) werden die Tätigkeitsfelder des Projektsteuerers in diesem Jahr sein.
Das Projekt „Therme Oberstdorf“ erreicht im Jahr 2019 zahlreiche neue Projektphasen.

Über die aktuellen Arbeiten und Fortschritte halten wir Sie auf der Homepage www.neue-therme-oberstdorf.de mit regelmäßigen Blogbeiträgen auf dem Laufenden.

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Große Schritte in Richtung neue Oberstdorf Therme
Chronologie und Projektphase Neubau

Im Jahr 2005 hat der damalige Marktgemeinderat Oberstdorfs beschlossen, die Bausubstanz, die Technikkomponenten und die Elektrik der Oberstdorf Therme aus dem Jahr 1971 in Form mehrerer Gutachten überprüfen zu lassen. Die durch die Gutachten festgestellten und notwendigen Maßnahmen konnten in den Folgejahren abgearbeitet werden und trugen so zum Erhalt der Therme bei. Im Jahr 2012 wurde im Rahmen einer Neuwertermittlung ein Standsicherheitsgutachten für eine Brandschutzversicherung durchgeführt und ein erneuter Sanierungsbedarf ermittelt, welcher zu weiteren Instandsetzungsmaßnahmen geführt hat.
2015 hat der Marktgemeinderat beschlossen, dass die Oberstdorf Therme weiterhin im Besitz des Marktes Oberstdorfs bleibt und am bestehenden Standort weiter betrieben werden soll. Dies wurde zudem durch ein damals initiiertes Bürgerbegehren gefordert.
Ebenso wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, welche die notwendigen Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen aufzeigen und gleichzeitig Ideen für Erweiterungen liefern sollte, um die Marktfähigkeit der Therme zu erhalten. Hier wurde durch das Ingenieurbüro eine Summe von mindestens 19 Millionen Euro ermittelt, welche notwendig gewesen wäre, den Altbestand der Therme zu sanieren. Dieses Ergebnis war der Startschuss für die Diskussion zum Neubau einer Therme und eine seitdem methodisch strukturierte Herangehensweise durch die Gremien und die Verwaltung.
Zunächst wurden die Bedürfnisse unserer Gäste und Einheimischen für eine neue Oberstdorf Therme im Rahmen einer Befragung ermittelt. Ebenso wurden eine Potential- und Konkurrenzanalyse und eine standörtliche Machbarkeitsanalyse und Angebotsentwicklung erstellt. Das Ergebnis mündete in einen Masterplan, der vom Marktgemeinderat in seiner 2. Fassung am 09.05.2018 als Basis für alle weitergehenden Planungen beschlossen wurde.
Parallel dazu wurde ein europaweites Interessensbekundungsverfahren durchgeführt. Bei diesem Verfahren möchte der Fördergeber erfahren, ob am Privatmarkt möglicherweise Interesse besteht, ein multifunktionales Bade-, Wellness- und Saunaangebot zu den Bedingungen von Oberstdorf selbstständig zu erbauen und zu betreiben. Dieses Verfahren wurde im Oktober 2017 von den Kurbetrieben mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass es keinen privatwirtschaftlichen Interessenten für den Bau und Betrieb der neuen Oberstdorf Therme gibt.
Um für den Neubau der Therme auch Fördergelder zu erhalten, setzt die Regierung von Schwaben, als möglicher Fördergeber, weitere Mindestanforderungen voraus, die für eine Förderfähigkeit erfüllt sein müssen. Beispielsweise muss sichergestellt sein, dass die Kosten für eine Sanierung der Bestandstherme mindestens 80 Prozent der Kosten eines Neubaus betragen. Ein Bestandsgutachten einschließlich Wirtschaftlichkeitsbetrachtung konnte diese Voraussetzung sicherstellen. Zudem muss es sich bei dem Neubau um eine „multifunktionale Anlage“ handeln. Ein reines Schwimmbad beispielsweise würde nach RÖFE (Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen) nicht gefördert werden.

Die technischen Einschränkungen, wie teilweise nicht mehr erhältliche Ersatzteile oder Mängel in der Raumluft- und Ablufttechnik, sicherheitstechnische Schwachstellen, die einen Weiterbetrieb der heutigen Therme nicht mehr ermöglichen und nicht zuletzt der Fachkräftemangel, machten eine Schließung der Therme nach 47 Betriebsjahren am 15. August dieses Jahrs unumgänglich. Der ermittelte, kurzfristig zu leistende Sanierungsbedarf von mindestens 662.000 Euro, um den Betrieb der Therme mit allen sicherheitsrelevanten und technisch notwendigen Maßnahmen aufrecht zu erhalten, war betriebswirtschaftlich nicht zu vertreten.
Im September wurde dem Marktgemeinderat der Projektstrukturplan von den Kurbetrieben Oberstdorf vorgestellt. Dieser teilt den Rück- und Neubau der Oberstdorf Therme in Teilprojekte und strukturierte Einzelprozesse und zeigt eindrücklich die Komplexität dieses Bauprojektes. Beispielsweise sind wir als öffentlicher Auftraggeber an komplizierte und dadurch auch oft langwierige Ausschreibungs- und Vergabeprozesse gebunden. Die Planungs- und Bauzeit kann daher nicht mit einem privaten Bauvorhaben verglichen werden. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen des Architektenwettbewerbs. Damit soll für die Fläche des Bestandsgrundstücks eine optimale Gebäudelösung gefunden werden. Als wichtigsten Schritt gilt dabei die Ausfertigung der sogenannten Auslobung, welche für die Architekten das inhaltliche Handwerkszeug darstellt und die Rahmenbedingungen festlegt, die bei der Planung und Erstellung eines Entwurfs zu beachten sind. Diese Auslobung beinhaltet ein Raum- und Funktionsprogramm, diverse Anforderungen an das Grundstück und den Thermenneubau, Gestaltungsrichtlinien, rechtliche Grundlagen und vieles mehr. Im Dezember soll diese vom Marktgemeinderat beschlossen werden, um anschließend in einer europaweiten Ausschreibung veröffentlicht zu werden. Der Gewinner des Architektenwettbewerbes als Ergebnis von insgesamt 20 möglichen Vorschlägen/Architektenentwürfen soll im September 2019 feststehen.
Für den Architektenwettbewerb, das Bebauungsplanverfahren oder aber für den Rückbau notwendige Gutachten wie etwa Immissionsschutzgutachten, Verkehrsgutachten, Baugrundgutachten oder Schadstoffgutachten sind bereits erstellt bzw. werden aktuell finalisiert.
Aktuell befindet sich das Projekt im Zeitplan, sodass der Neubau einer innovativen, authentischen und zukunftsfähigen Oberstdorf Therme schnellstmöglich vorangetrieben wird.